Archiv der Kategorie: Lehmputz

Mit Lehmputz kann man keine eckigen Ecken machen

Sie kommt immer wieder, die Frage nach der Ausbildung von Ecken mit Lehmputz. Darum hier noch einmal Beispiele.

     

Die Wohnung soll vermietet werden. Es ist ein Altbau. In eines der ursprünglichen Zimmer wurde vom Voreigentümer eine Raumecke für ein dahinter liegendes Bad eingebaut. Die Ecke ragt exponiert in den Raum. Der Gipskarton hatte keine Eckschiene. So sah die Ecke dann auch aus. Nun sollte hier ein Lehmfeinputz aufgetragen werden. Wir haben jetzt eine Metall-Eckschiene eingebaut und den Gipskarton fast schon übertrieben rauh grundiert *), besonders über die Metallschiene. Denn sonst bleibt im Fall zwar die Ecke stehen, aber der Lehm fällt vom glatten Metall leicht ab.

     

Es wurde zwei Mal verputzt, so dass die Schiene gut überdeckt ist (links) und in der geriebenen Fläche nicht fremd heraussticht (mitte). Bei den Fensterleibungen haben wir auf Schienen verzichtet und schöne eckige Lehmecken geputzt (rechts). Anschließend noch einmal anfeuchten und mit der Eckenkelle leicht runden (Durchmesser 6 mm) und eine saubere, von Hand gemachte Kante ist fertig.

Man kann das Thema Ecke im Raum aber auch anders lösen.

Hier geht es zur ersten Frage: „Eckschienen und Lehmputz?“

*) Es war Wochenende und wir hatten keine Grundierung, aber Tiefengrund und Lehmputz.

 

Was tun bei einem Wasserschaden?

„Es gab einen Sturm, der das Dach des Einfamilienhauses teilweise abgedeckt hat. An einigen Stellen konnte der Regen durch Überlappungen der Unterspannfolie bis zu den inneren Sichtflächen der Dachflächen geraten. Dort hat er Wasserflecken hinterlassen. Die Dachschrägen sind mit einer Lehmoberfläche ohne Anstrich versehen. Was ist zu tun?“

Wasserschaden eines anderen Falls an Decke (brauner Lehmfeinputz, weiß gestrichen) und Wand (Lehm-Sichtputz)

Der Gutachter der Versicherung hat bestimmt, dass mit einer Absperrfarbe über die Lehm-Sichtfläche gestrichen wird. Das sei ausreichend und angemessen. Der Bauherr und die Architektin sehen das anders.

Die Wasserflecken sind zwar an wenigen und begrenzten Stellen der einzelnen Dachflächen, aber sie sind doch größer als einzelne kleine Flecken. Die einfache Variante ist, die Wasserflecken mit einer Schelllack-Absperrgrundierung o.glw. zu streichen und dann jeweils die kompletten Dachschrägen dünn neu mit den ursprünglichen, farbigen Lehmfeinputz zu überziehen. Allerdings soll der Versicherung und dem, inzwischen ausgetauschten, Sachverständigen mit einer gutachterlichen Stellungnahme die Frage beantwortet werden, ob eine Reparatur – eher eine Retusche – nicht doch möglich ist.

Grundsätzlichen lassen sich Lehmputze, die angestrichen werden, recht gut nacharbeiten. Kleinere Flecken sind meist kein Problem. Bei größeren Übergängen zwischen der vorhandenen und der neu geputzten Fläche ist es aber nicht immer möglich ansatzfrei zu arbeiten. Je rustikaler die Oberfläche ausgebildet ist, desto einfacher ist das.

Bei farbigen, nicht gestrichenen Lehmfeinputzen, die als fertige Oberfläche dienen, ist es nicht gesagt, dass ein Reparieren ohne Ansätze möglich ist. Das ist von Produkt zu Produkt zu prüfen. Weiße Lehme in Mischfarben lösen sich schneller als dunkle. Daher können sie beim nachträglichen berarbeiten mit dem feuchten Schwamm an die Oberfläche gerieben werden und  „Wolken“ bilden. Bei dem rein weißen Lehmfeinputz in meiner Wohnung habe ich den sprichwörtlichen Rotweinfleck an der wackeligen Stiege in das Dachzimmer wegreiben können (ja, tatsächlich…). Die Oberfläche ist hier im Landhausstil etwas lebendiger, aber nicht grob.

In dem Fall dieser Frage ist es aber der Lehm-Designputz „Yosima jade-grün“ von Claytec. Bevor ich das Angebot zur Schadensbehebung gemacht habe, habe ich mit dem Originalmaterial Versuche angestellt. Sie sind erwartungsgemäß unbefriedigend.

Fazit: Wasserflecken schlagen immer durch. Es muss mit einer Absperrgrundierung vorgearbeitet werden. Dann kommt es darauf an, ob es sich um einen „braunen Lehmputz“, der einen Anstrich erwartet, handelt oder um eine reine Lehmoberfläche. Hier sind unbedingt vor der Angebotsabgabe Versuche zu machen oder es wird von vorne herein die komplette Fläche überarbeitet. Nicht selten wird das günstiger sein.

Der Bericht ist hier:

 

 

Rechnet sich das mit dem Lehmputz?

Gestern rief der Baustoffhändler meines Vertrauens an und bat darum einem Kunden zu begründen, warum sich der Mehraufwand für Lehmputz gegenüber Gipskartonplatten rechnet und wie das wissenschatlich belegt sei. Zu meinem Entsetzen musste ich erfahren, dass es sich um einen Professor der Innenarchitektur handelt. Nein, ich werde die Frage einem hochkarätigem Kollegen nicht mehr beantworten. Allerdings empfehle ich die folgenden Quellen:

  

 

Lehmputz auf Holzflächen

„Kann ich Lehmputz auf Holz oder Holzwerktoffe aufbringen?“

Ja,das geht, aber: Wenn im Fachwerkbau über die Holzbalken geputzt werden soll, was innenseitig ja eher die Regel ist, wird über die Holzbalken ein Putzträger, z.B. Schilfrohrmatten oder ähnliches, angetackert. Hierein kann sich der Lehmputz vekrallen.

Das Prinzip gilt auch bei allen mehr oder weniger glatten Holzflächen wie Verbretterungen, OSB-Platten oder ähnlichem, außer Holzfaserplatten. Da ich Streckmetall nicht so sehr mag, benutze ich lieber Schilfrohrmatten oder -platten. Das ist aber mühsamer.

Bei OSB-Platten scheiden sich die Geister, ob darauf ein nasser Putz folgen soll oder nicht. Bei manchen OSB-Platten kann es durchschlgenden Flecken von Holzinhaltsstoffen kommen. Ich kenne Lehmbauer, die hier keine Schwierigkeiten haben und solche, die es konsequent ablehnen. Wer sich unsicher ist, kann überlegen eine Diagonalschalung anstatt der OSB-Platten einzubauen. Ansonsten gibt es ja noch Lehmbauplatten.Das Bild oben zeigt beide Varianten.

Auf dem Bild links Steko-Holzmodulbauwände und darauf eine 16 mm Lehmtrockenputzplatte geschraubt. (Die Putzflecken sind gerade angefertigte Farbmuster des Japanputzes.)

Auf Holzfaserplatten, wie z.B. Innendämmplatten oder Trockenbauplatten, wird mit Lehmfeinputzen gearbeitet. Mehr dazu hier.

 

Drei Innenwände

„Wie kann ich neue Innenwände im Obergschoss eines Modernisierungsprojektes mit Lehmbaustoffen herstellen?“

Nun da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. In einem aktuellen Projekt habe ich diese beiden vorgeschlagen. Die eine Variante hat einen besseren Schallschutz und ist dem Fachwerkbau angelehnt, die andere ist leicht und kann ohne weiteres auf die vorhandenen Altbaudecke gestellt werden. Hier der Beitrag:

Drei Innenwände

 

Durchschlagender Kamin 2

Inzwischen ist es knapp ein Jahr her. Die Wand ist mit Lehmunterputz ausgeglichen, dann mit Schelllack-Grundierung gestrichen und anschließend mit Lehmfeinputz verpuzt. Zuletzt wurde mit Lehmfarbe angestrichen. Der Aufbau in dieser Reihenfolge hat sich bewährt. Das Foto zeigt den Feinputz etwa 4 Monate nach dem Aufbringen.

Hier ist der erste Teil des Beitrags.

 

Lehmtrockenputz im Altbau

„Es soll wenig Feuchtigkeit in das Jahrhunderwendehaus kommen, dennoch soll ein schwerer Putz an die Wand. Was tun?“

Hier bieten sich Lehmtrockenputzplatten an. Sie werden mit einem Lehmklebemörtel an die Wand gesetzt. Anschließend folgt eine 3 mm dünne Armierungslage aus Lehmklebe- und Armierungsmörtel. Das Gewebe ist ein Flachsgewebe.

    

Dann folgt ein Lehmfeinputz und ein Anstrich oder ein farbiger Lehmfinishputz.

Warum hier schwere Lehmtrockenputzplatten auf Holzweichfaserplatten geklebt werden wird in einem der nächsten Beiträge besprochen.

 

Armierungsgewebe bei Innendämmung und anderen Anlässen

„Welches Gewebe ist für die Armierungsschicht der Innendämmung richtig und womit baue ich es ein?“

Für die Armierungsschicht bei Innendämmung, Lehmtrockenbau un Feinputzen taugt ein Gewebe mit 5 – 6 mm Maschenweite. Das kann Glasfasergewebe, Jute oder Flachs sein. Ich bevorzuge Flachsarmierungsgewebe, denn Glasfaser ist zwar einfacher einzubauen, aber schlechter rückzubauen und die gute alte Jute ist einfach zu labberig und dehnt sich, wenn sie feucht wird. Da ist das imprägnierte Flachsgewebe ein guter Kompromiss. Für die Imprägnierung des Flachsgewebes die Volldeklaration der Hersteller beachten. Sie ist nötig, damit sich das Flachs nicht wie die klassische Jute verhält.

  

Zuerst wird der Armierungsmörtel aufgebracht, um dann das Gewebe aufzulegen und mit dem Glätter, der Japankelle oder dem Schwammbrett einzuarbeiten. Bei den Kellen sollte darauf geachtet werden, dass sie abgerundete Ecken haben, denn sonst haken sie leicht in den Maschen der Gewebe.

Nach dem kompletten Durchtrocknen folgt der Finishputz.

 

Lehmputz = Ökohaus?

„Ist ein Haus mit Lehmputz ein Ökohaus?“

Nein, das allein reicht nicht aus, um ein Haus als „nachhaltig“ oder als „Öko-Haus“ oder als „baubiologiches Haus zu bezeichnen. Sicher sind Lehmputze wichtig bei dieser Frage und sie leisten einen guten Beitrag, aber es gehört mehr dazu. Auch als überzeugte Lehmbauer sollten wir hier ehrlich bleiben. Es würde den Rahmen hier sprengen, um die Frage in allen Einzelheiten zu beantworten, daher möchte ich auf meinen Blogartikel „Nachhaltigkeit – mehr als ein Modewort“ verweisen. Als Mitglied des Bund Architektur und Umwelt empfehle ich auch http://bau-architekten.de/verein/vereinmanifest.html.

Um das Thema ein wenig plakativer zu machen möchte ich auf das Thema Gründächer (http://olaf-paproth.net/staedte-stoehnen/) hinweisen. Prof.Gernot Minke, als einer „der Päpste“ des Lehmbaus und des ökologischen Bauens sich u.a. auch intesiv mit Gründächern beschäftigt. Aber auch hier gilt: ein Gründach allein macht noch kein „Öko-Haus“.

Farbige, besonders helle Lehmfeinputze empfindlich?

„Sind farbige, besonders helle Lehmfeinputze nicht empfindlich?“

Eine berechtigte und immer wiederkehrende Frage. Nein, sie sind nicht empfindlich, im Gegenteil. Wenn es an der Wand zu Flecken kommt, reicht oft einfaches wischen nicht aus und es muss die Stelle nachgestrichen werden. Nicht selten sieht man diese Stellen, auch wenn es ein einfaches Weiß ist. Wir reden hier nicht von abwaschbaren „Krankenhausanstrichen“, sondern von der in Wohnungen üblichen Farbe.  Ein Lehmfeinputz, der als Oberfläche gedacht ist (siehe auch hier), kann mit einem Haushaltsschwamm, der nur ganz leicht angefeuchtet wird, der Fleck weggerieben werden. Ein wenig Gefühl bei der Arbeit ist zwar nötig, aber als Ergebnis wird man nicht mehr vom Fleck ahnen.

  

Hier im Beispiel wusste der Bodenleger davon, bevor er die Randfuge mit der Schattenfugenfräse sauber gesägt hatte. An einigen Stellen hat die Fräse ihre Spuren hinterlassen. Das nachreiben mit dem Schwamm dauerte ein Bruchteil des Schützens des weißen Lehmfeinputzes.