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Fliesen auf Lehmuntergrund?

„Können Fliesen auf Lehmuntergründe, z.B. Lehmunterputz, geklebt werden?“

Ansich ja nicht, aber dann wieder doch. Klar ist, dass Lehm wasserlöslich ist. Wenn also Wasser hinter die Fliesen gelangen kann, könnte der Lehmuntergrund seine Festigkeit verlieren. Ob sich im Streitfall ein Sachverständiger mit einer Festigung mittels Tiefengrund zufrieden gibt, darf bezweifelt werden. Nun gut, das war eh bekannt und jetzt klar. Kleben wir nun Fliesen an die Wand.

Im Gegensatz zu dem Foto vom Ende der 1990er halte ich es heute für sinnvoll, Lehmputz erst mit Tiefengrund zu streichen. Das festigt den Lehm und erhöht die Tragfähigkeit auch für dickere Fliesen. Zum Verkleben funktioniert zementöser Flexkleber. Ansich würde auch Lehmklebe- und armierungsmörtel funktionieren, dennoch sei beachtet: Wohin soll das Anmachwasser ausftrocknen, wenn raumseitig Fliesen den Weg versperren?

Auch Spiegel klebe ich auf Lehmputz.

 

Macken im Lehmputz

„Wenn ich eine Macke in den Lehmputz mache, habe ich einen auffälligen, braunen Fleck in der weißen Wand. Bei Gipsputz habe ich das nicht.“

Gut, passiert ja schon einmal, so eine Macke, wie hier in meinem Büro. Bei hellen Gipsputz fällt das nur bei heller, weißer Wandfarbe nicht auf. Bei allen anderen Farbtönen gibt es einen gipsweißen Fleck. Da sehe ich keinen Unterschied. Bei weiß gestrichenen Wänden stimmt es natürlich, dass der braune Lehmputz auffällt. Dann bleibt nur vorsichtiges nacharbeiten mit der verwendeten Farbe.

Die bessere Variante unter diesen Gesichtspunkten sind farbige bzw. weiße Lehmputze. Sie sind durchgefärbt ca. 2 mm dick, je nach Produkt. Wenn eine Macke kein Loch ist, fällt hier ein Fleck nicht auf. Auch andere Flecken können hier oft einfach weg gerieben werden, wie hier im Beispiel der dunkle Streifen. Tatsächlich habe ich auf diese Weise auch Rotweinflecken aus weißem Lehmputz entfernt und braune Wasserflecken aus grüngrauem Lehmputz. Man kann das aber nicht für jeden Farbton, jedes Produkt und jeden Fleck verallgemeinern.

 

Dadurch, dass hier nicht nur eine hauchdünne Farbschicht auf den Putz aufgetragen ist, sondern der farbige Lehmputz einige Millimeter dick ist, entsteht eine robustere Oberfläche.

 

Farbiger Lehmputz

„Lehm ist doch normalerweise lehmbraun bis ocker oder in machen Gegenden auch grau. Wieso ist er dann weiß oder rot oder grün?“

Es gibt braune / graue Lehme. Sie werden normalerweise für Mörtel, Unter- und Oberputze, für Lehmsteine, Lehmplatten und Stampflehm benutzt. Und dann es gibt farbige Lehm. Sie werden für Oberflächen und für gestalterische Zwecke beim Stampflehm eingesetzt. Farbig bedeutet bei Lehmbauern übrigens auch weiß, weil der eben nicht, wie üblich, lehmbraun ist.


z.B. helle Pastelltöne durch farbige Lehme ohne Pigmente

Wo kommt nun die Farbigkeit her? Es gibt zwei Varianten: man nimmt Lehm und mischt ihn mit (kalkechten) Pigmenten oder man nimmt farbige Lehme.

Weißer Lehm ist Porzellanerde. Regional gibt es sehr unterschiedliche Lehme. Lehm besteht aus Sand und Ton. Beide bestimmen die Farbe. Tonminerale gibt es viele unterschiedliche. Also kann man sich vorstellen, dass Lehm nicht nur in unterschiedlichen Qualitäten zu finden ist, sondern auch in unterschiedlichen Farbtönen. Erstaunlich finde ich immer wieder, wie scharf die verschiedenen Lehme von einander getrennt in der Erde liegen. Sie müssen mit relativ kleinem Gerät sorgfältig abgebaut werden. Das macht sie teurer als Standardlehme.

 
Fotos: Claytec e.K. – Baustoffe aus Lehm

Im Gegensatz zu farbigen Lehmen können mit Hilfe von zugefügten Pigmenten mehr und leuchtendere Farben hergestellt werden. Auch die über lange Produktionszeiträume gleiche Farbigkeit kann mit der Beimischung von Pigmenten einfacher garantiert werden. Die Zugabe von baubiologisch verträglichen Pigmenten beeinträchtigt die Eigenschaften von Lehmputz nicht, jedenfalls ist mir Nichts andereweitiges bekannt.

Im Vergleich zu pigmentierten Lehmputzen erscheint die Farbtiefe von natürlich farbigen Lehmen stärker. Sie wirken weniger flach. Eine Reihenfolge von oberfläch-flacher bis zu marmorartiger Tiefenwirkung könnte man so aufzählen: Putz mit Dispersionsfarbe – Putz mit Silikatfarbe – Lehmputz mit Pigmenten – Putz aus farbigen Lehmen – Marmor. Letztlich muss, je nach Zweck, jeder selbst beurteilen. Wie immer gilt auch hier: Proben vor Ort anlegen und bei unterschiedlichem Licht betrachten.