Archiv der Kategorie: Oberflächen

Risse in Altbaudecke

„Von der Decke unseres Jahrhundertwendehauses haben wir alle Tapeten und Anstriche soweit entfernt wie es möglich war. Nun zeigen sich erwartungsgemäß Risse im Putz der Pliesterlattendecke. Kann ich hier auch Lehmprodukte verwenden, um die Risse zu schließen, oder muss es Gipsspachtel sein?“

  

Ob in diesem Fall Gips so schlimm wäre kann diskutiert werden. Als Lehmbauer benutze ich auch hier Lehmprodukte. Es gibt feinen Lehmspachtel, mit dem man diese Risse schließen kann und auch Rissarmierungen ohne Weiteres einspachteln kann. Es hat sich bewärt zuerst die Risse zu überdecken und dann die komplette Deckenfläche zu spachteln. Lehmspachtel, im Gegensatz zu Lehmfeinputzen, kann bis auf Null ausgezogen und auch geschliffen werden. So ergeben sich in der Verarbeitung keine Unterschiede zu Gipspachtelmassen.

 

Hier haben wir Glasflies benutzt. Es wird soweit eingespachtelt bis es vollständig lehmbraun ist: erst den Riss verspachteln, dann das Flies auflegen und einarbeiten, ggf. etwas Spachtel nachlegen.

 

Was tun bei einem Wasserschaden?

„Es gab einen Sturm, der das Dach des Einfamilienhauses teilweise abgedeckt hat. An einigen Stellen konnte der Regen durch Überlappungen der Unterspannfolie bis zu den inneren Sichtflächen der Dachflächen geraten. Dort hat er Wasserflecken hinterlassen. Die Dachschrägen sind mit einer Lehmoberfläche ohne Anstrich versehen. Was ist zu tun?“

Wasserschaden eines anderen Falls an Decke (brauner Lehmfeinputz, weiß gestrichen) und Wand (Lehm-Sichtputz)

Der Gutachter der Versicherung hat bestimmt, dass mit einer Absperrfarbe über die Lehm-Sichtfläche gestrichen wird. Das sei ausreichend und angemessen. Der Bauherr und die Architektin sehen das anders.

Die Wasserflecken sind zwar an wenigen und begrenzten Stellen der einzelnen Dachflächen, aber sie sind doch größer als einzelne kleine Flecken. Die einfache Variante ist, die Wasserflecken mit einer Schelllack-Absperrgrundierung o.glw. zu streichen und dann jeweils die kompletten Dachschrägen dünn neu mit den ursprünglichen, farbigen Lehmfeinputz zu überziehen. Allerdings soll der Versicherung und dem, inzwischen ausgetauschten, Sachverständigen mit einer gutachterlichen Stellungnahme die Frage beantwortet werden, ob eine Reparatur – eher eine Retusche – nicht doch möglich ist.

Grundsätzlichen lassen sich Lehmputze, die angestrichen werden, recht gut nacharbeiten. Kleinere Flecken sind meist kein Problem. Bei größeren Übergängen zwischen der vorhandenen und der neu geputzten Fläche ist es aber nicht immer möglich ansatzfrei zu arbeiten. Je rustikaler die Oberfläche ausgebildet ist, desto einfacher ist das.

Bei farbigen, nicht gestrichenen Lehmfeinputzen, die als fertige Oberfläche dienen, ist es nicht gesagt, dass ein Reparieren ohne Ansätze möglich ist. Das ist von Produkt zu Produkt zu prüfen. Weiße Lehme in Mischfarben lösen sich schneller als dunkle. Daher können sie beim nachträglichen berarbeiten mit dem feuchten Schwamm an die Oberfläche gerieben werden und  „Wolken“ bilden. Bei dem rein weißen Lehmfeinputz in meiner Wohnung habe ich den sprichwörtlichen Rotweinfleck an der wackeligen Stiege in das Dachzimmer wegreiben können (ja, tatsächlich…). Die Oberfläche ist hier im Landhausstil etwas lebendiger, aber nicht grob.

In dem Fall dieser Frage ist es aber der Lehm-Designputz „Yosima jade-grün“ von Claytec. Bevor ich das Angebot zur Schadensbehebung gemacht habe, habe ich mit dem Originalmaterial Versuche angestellt. Sie sind erwartungsgemäß unbefriedigend.

Fazit: Wasserflecken schlagen immer durch. Es muss mit einer Absperrgrundierung vorgearbeitet werden. Dann kommt es darauf an, ob es sich um einen „braunen Lehmputz“, der einen Anstrich erwartet, handelt oder um eine reine Lehmoberfläche. Hier sind unbedingt vor der Angebotsabgabe Versuche zu machen oder es wird von vorne herein die komplette Fläche überarbeitet. Nicht selten wird das günstiger sein.

Der Bericht ist hier:

 

 

Tapete auf Lehmwänden

„Kann man eigentlich auf Lehmwände tapezieren?“

Also, welchen Untergrund braucht man zum Tapezieren? Einen angemessen ebenen, glatten Untergrund, der nicht den ganzen Kleister aufsaugt bevor er die Tapete klebt. Das heist, erst die Form des Untergrundes klären oder anpassen. Letzteres geht entweder durch annässen und mit dem Schwammbrett oder Schwamm reiben. Dann mit Glätter glätten. Wenn das nicht ausreichen sollte, hilft nur eine dünne Schicht Lehmfeinputz. Dann grundieren mit einer Grundierung aus Wasserglas, Cellulose und Dispersion < 5% (findet man bei den einschlägigen Herstellern) oder, was auch reicht, einfach mit dem Tapetenkleister vorstreichen. Dann Tapezieren. Das Gesagte gilt für rauhfaserartige Papier Tapeten. Bei Stofftapeten analog verfahren. Zu Vinyl- und anderen Kunststofftapeten mag ich nichts sagen.

Zum Bild: Untergrund: alter Lehmputz. Rauhfasertapete der Risse in der Wand wegen (man wollte hier nicht das ganze Haus in eine Baustelle verwandeln, sondern einziehen). Kaseinfarbe. Afrikanisches Figürchen.

Farbige, besonders helle Lehmfeinputze empfindlich?

„Sind farbige, besonders helle Lehmfeinputze nicht empfindlich?“

Eine berechtigte und immer wiederkehrende Frage. Nein, sie sind nicht empfindlich, im Gegenteil. Wenn es an der Wand zu Flecken kommt, reicht oft einfaches wischen nicht aus und es muss die Stelle nachgestrichen werden. Nicht selten sieht man diese Stellen, auch wenn es ein einfaches Weiß ist. Wir reden hier nicht von abwaschbaren „Krankenhausanstrichen“, sondern von der in Wohnungen üblichen Farbe.  Ein Lehmfeinputz, der als Oberfläche gedacht ist (siehe auch hier), kann mit einem Haushaltsschwamm, der nur ganz leicht angefeuchtet wird, der Fleck weggerieben werden. Ein wenig Gefühl bei der Arbeit ist zwar nötig, aber als Ergebnis wird man nicht mehr vom Fleck ahnen.

  

Hier im Beispiel wusste der Bodenleger davon, bevor er die Randfuge mit der Schattenfugenfräse sauber gesägt hatte. An einigen Stellen hat die Fräse ihre Spuren hinterlassen. Das nachreiben mit dem Schwamm dauerte ein Bruchteil des Schützens des weißen Lehmfeinputzes.

 

Braunen Lehmputz sichtbar lassen?

„Geplant war es, einen einlagigen Lehmputz oder einen Oberputz mit einer Farbe zu streichen. Jetzt sieht das Braun des Lehms aber so gut aus, dass der Putz nicht mehr gestrichen werden soll. Geht das? Ist das sinnvoll?“

Gehen geht das, aber sinnvoll ist es nur bedingt. Solange es sich nicht ausdrücklich um einen Lehmputzmörtel handelt, der für fertige Oberflächen bestimmt ist, sondern für einen Anstrich oder eine andere Weiterbehandlung, muss man wissen was man tut. Die Abriebfestigkeit wird nicht ausreichend sein. Das bedeutet, dass es unschöne Streifen gibt, wenn über den Putz gestrichen wird. Im Foto war es der Zeigefinger des Architekten mit etwas Kraft auf einem einlagigen, mineralischem Lehmputz bevor der weiße Feinputz aufgetragen wurde.

Nun kann man Lehmputze auch stabiliseren. Dazu gibt es unterschiedliche Wege, die ein Thema für sich sind. Die meisten, die ausreichen, dass der Lehmputz keine Streifen mehr bekommt, wenn man auf ihm entlang schabt, haben dann andere Nachteile. Das können Verfärbungen sein bei Ölen, Wachsen oder Grundierungen oder der Putz wird unter Umständen zu spröde. Der Anstrich mit nahezu farblosem Tapetenkleister bewirkt zwar einen festeren Putz, schützt aber vor den Streifen nicht.

Wenn Flecken oder Macken ausgebessert werden sollen verfärbt sich der baune Putz gerne.

Andererseits schaben wir ja nicht ständig an Wänden entlang und hauen Macken rein. Ist das ganze also ein Thema im zivilisierten Hauhalt? Nun, das muss jeder selbst entscheiden.

 

Lehmputz einlagig oder mehrlagig?

„Wann ist ein einlagiger oder ein mehrlagiger Lehmputz richtig?“

Das ist eine Frage des Untergrundes und der Oberfläche. Für eine schöne, ebene Oberfläche eines Dünnlagen- oder Designputzes ist ein ebener und gleichmäßig saugernder Untergrund nötig. Wenn der nicht vorhanden ist, muss er geschaffen werden. Dann ist also ein mehrlagiger Putz die richtige Wahl.

  

Hier in den Bildern sieht man Kalksandsteinmauerwerk. Der Putz ist ein Lehmunterputz mit Stroh. Da der Kalksandstein unterschiedlich gegenüber den Mörtelfugen saugt und da die Fugen etwas zurückliegen, zeichnen sie sich deutlich ab. Der Putz ist an den Fugen etwas dicker als auf den Steinen. Das bedeutet, dass hier auch mehr Wasser im Putz ist. Wenn das wegtrocknet, ist mehr Wasservolumen weg als in den dünneren Bereichen, folglich schrumpft der Putz hier mehr. Für eine ebene Fläche für Feinputz müsste nun mit dem Schwammbrett abgerieben werden. Da es sich hier aber um einen Ausgleichsputz für eine Innendämmung handelt, ist das hier nicht nötig.

 

Lehmputzarten

„Welche Arten von Lehmputz gibt es?“

ase-151110-5-2-800Der klassische Lehmputz ist zweilagig und besteht aus einem groben Lehmunterputz 10 – mehrere Zentimeter dick, meist mit Faseranteilen wie Stroh, Miskantus oder ähnlichem und einem Feinputz, 2 – 5 mm, als Oberputz, teilweise mit Fasern wie Flachs zum Beispiel. Hierzu zählen auch die farbigen, also nicht nur lehmbraunen, Lehmfinishputze, die keinen Anstrich mehr benötigen. Dann gibt es den einlagigen Lehmputz, 5 – 15 mm stark, mit mittlerer Körnung als wirtschftlichen Neubauputz oder dort wo die anderen Arten zu aufwendig oder zu dünn sind. Zuletzt bleibt noch der Lehmgättespachtel zu erwähnen, analog der historischen Kalkglätte für perfeckt glatte Oberflächen.

Sicherlich gibt es noch eine Reihe Varianten, die hier aber nicht weiter besprochen werden sollen, um die Übersichtlichkeit zu wahren. Die drei Hauptarten von Lehmputz unterscheiden sich damit im Grundsatz nicht von anderen Putzen, allerdings ist die Vielfalt nur bei Kalkputzen vergleichbar.

Das Bild zeigt einen Lehmfeinputz ohne Fasern als fertige Oberfläche

 

Zur Endbehandlung von Lehmputzoberflächen

„Muss eine fertige Lehmputzoberfläche endbehandelt werden?“

BGB Wandheizung 800Lehmunterputze sind, wie der Name sagt, Unterputze, die einen Oberputz benötigen. Sie sind meist recht grob vom Erscheinungsbild und dürfen in Maßen Trockenrisse bekommen. In Einzelfällen können Unterputze auch als einlagige Putze verwendet werden.

Bei Lehmoberputzen, grob wie fein, ist es meist so, dass „braune“ Putze einen Anstrich benötigen im Gegensatz zu farbigen Finishputzen, die keine weitere Behandlung erfordern.

Sollen „braune“ Putze keinen Farbanstrich bekommen, ist es nötig ihre Oberfläche gegen Sanden und Abrieb zu stabilisieren. Das kann mit Wasserglas, Kaseingrundierung, Molke, Quarkmilch, Zellulose bis hin zu Hölzölen und -wachsen geschehen. Je nach Wahl verändert sich die farbliche und habtische Wirkung des Lehmputz.

Es gibt auch farbige Finishputze, die eine Stabilisierung benötigen, zum Beispiel mit Quarkmilch.

Siehe auch: Braunen Lehmputz sichtbar lassen?

 

Muss Lehm immer lehmbraun sein?

Nein. Es werden „braune“ Lehmputze von farbigen Lehmfeinputzen unterschieden. Erstere sind Unterputze als auch Feinputze, die anschließend angestrichen werden. Letztere sind entweder mit Pigmenten eingefärbte Lehmfeinputze oder sie bestehen aus farbigen Lehmen ohne weitere farbgebende Zusätze. Der Unterschied ist die Farbwirkung. Pigmentierte Oberflächen wirken flacher, weisen aber ein weites Farbspektrum auf. Oberflächen aus reinen farbigen Lehmen sind auf die natürlichen Farben der Lehmvorkommen beschränkt, haben aber eine größere Farbtiefe. Ein weißer Lehmputz ist für den Lehmbauer „farbig“.

Yosima weiß Stroh (1) b 960
Claytec Yosima WE0 mit Stroh in der Wohnung des Sachverständigen

Lehmputz 960
Brauner Lehmfeinputz, geglättet, ausgeführt vom Sachverständigen im Atelier der Künstlerin Antje Seemann

Siehe auch: Braunen Lehmputz sichtbar lassen?