Archiv der Kategorie: Mauerwerk

Ist der Fachwerkbau noch aktuell?

Eine gute Frage. Nein, eigentlich nicht. Andererseits aber doch. Schaun wir mal: Ein moderner Holzständerbau mit einer Ausfachung mit Lehmsteinen und Lehmputz. Von Außen ist das „Fachwerk“, das Ständerwerk, nicht sichtbar, denn es hat nicht den optischen Reiz wie ein traditionelles Fachwerk. Das bietet die Möglichkeit der zeitgemäßen Wärmedämmung ausseitig mit einer Fassade nach Wahl. So erreichen wir die Qualitäten eines „Massivhauses“ mit den Vorteilen des Holzbaus. Das sind u.a. relativ trockenes Bauen (z.B. im Vergleich zum Kalksandstein in Regenland), bester Schall- und sommerlicher Wärmeschutz.

Anbringen der Dreiecksleisten

Ausmauern mit Lehmsteinen (hier „Grünlinge“, Anwendungsklasse 2)

Lehmputz auf Schilfrohrgewebe (hier wurden Schilfrohrplatten verwendet)

Fertig

 

Drei Innenwände

„Wie kann ich neue Innenwände im Obergschoss eines Modernisierungsprojektes mit Lehmbaustoffen herstellen?“

Nun da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. In einem aktuellen Projekt habe ich diese beiden vorgeschlagen. Die eine Variante hat einen besseren Schallschutz und ist dem Fachwerkbau angelehnt, die andere ist leicht und kann ohne weiteres auf die vorhandenen Altbaudecke gestellt werden. Hier der Beitrag:

Drei Innenwände

 

Durchschlagender Kamin 2

Inzwischen ist es knapp ein Jahr her. Die Wand ist mit Lehmunterputz ausgeglichen, dann mit Schelllack-Grundierung gestrichen und anschließend mit Lehmfeinputz verpuzt. Zuletzt wurde mit Lehmfarbe angestrichen. Der Aufbau in dieser Reihenfolge hat sich bewährt. Das Foto zeigt den Feinputz etwa 4 Monate nach dem Aufbringen.

Hier ist der erste Teil des Beitrags.

 

Verfugen von altem Mauerwerk

„Nach dem Entfernen einer inneren Vorsatzschale einer tragenden Außenwand wurde sichtbar, dass die Fugen des Ziegelmauerwerks nicht vollständig vermörtel sind. Schon aus statischen Gründen muss die Wand ertüchtigt werden, also die Fugen mit Mörtel vollständig ausgefüllt werden. Womit mache ich das?“

  

Das alte Ziegelmauerwerk ist mit recht weichem Kalkmörtel vermauert. Mit hartem Zement- bzw. zementhaltigem Mörtel sollte nicht verfugt werden. Hier bietet sich entweder ein historischer Kalkmörtel an oder Lehmmauermörtel für tragendes Mauerwerk. Er wird in diesem Fall relativ trocken angemacht, damit er beim Trocknen nicht schrumpft. Beim Verfugen ist das zwar kaum ein Problem, aber es ist so in jedem Fall besser. Außerdem verarbeitet sich der Mörtel beim nachträglichen Verfugen so einfacher. Dabei fällt naturgemäß einiges an Mörtel auf den Boden. Wenn dieser sauber gehalten wird, kann das heruntergefallene Material wieder aufgenommen und weiter verarbeitet werden. So lässt sich aus wirtschaftlichen wie ökologischen Gründen Mörtel sparen. Vor dem Verfugen wird die Wand abgefegt und gründlich vorgenässt.

  

 

Bohr- bzw. Dübellöcher in Altbauwänden

„Ich habe in eine Altbauwand (Jahrhundertwendehaus) gebohrt mit dem Erfolg, dass das Bohrloch ausgebrochen und nun zu groß für den Dübel ist. Kann ich das mit Lehmunterputz korrigieren?“

Nein, das geht nicht. Schaunen wir uns zuerst die Wand an. Sie sieht so aus (siehe Bild): alte Ziegel mit weichen „Sandfugen“ und weichem Kalkputz. Hier sauber hineinzubohren ist schon eine Kunst.

Wenn es dann – wie so häufig – schief geht, nimmt man üblicherweise einen Gipsfüller, wie z.B. Moltofill oder gleichwertig. Man füllt das zu große Loch, drückt den Dübel hinein und wartet einen Tag bis er belastet werden kann. Es gibt sicher Füllmassen mit denen das schneller geht. Das sieht dann aus wie auf dem zweiten Bild. Aber wie mache ich das denn nun mit Lehm?

Ansich genauso: Loch füllen, Dübel reindrücken, warten. Allerdings taugt hier kein Unterputz gleich welcher Art, also auch kein Lehmunterputz. Das Loch ist ja keine Putzfläche, sondern doch vergleichbar klein. Man kann Lehmfeinputz verwenden oder besser Lehm-Klebe- und Armierungsmörtel. Beide sind fein genug, um in das Loch „gestopft“ zu werden und um es homogen auszufüllen. Der Letztere wird etwas fester. Das Gefüge eines Unterputz ist hier einfach zu grob und daher nicht stabil genug. Gut geeignet ist auch Lehmfugenfüller. Der Name sagt eigentlich schon alles. Bild drei. Da der Lehmfüller (oder Feinputz) in dem Loch trocknen muss, dauert es auch hier ein bis zwei Tage bis der Dübel belastet werden kann. Ein wenig Geduld ist schon nötig.

Übrigens, in einem schönen Lehmmauerwerk wäre das nicht passiert. Lehmsteine mit Lehmmauermörtel vermauert, ergeben eine schön homogene Wand. Um hier Löcher zu bohren ist kein Bohrhammer nötig, sondern eine Bohrmaschine, die nicht auf „schlagen“ eingestellt ist. So können saubere Löcher gebohrt werden, in denen Dübel bestens halten –  je nach größe auch für Küchenschränke.

Ach ja, Dübel werden übrigens niemals im Putz befestigt, sondern im Mauerwerk.

 

Massivlehm im Holzbau II

„Kann ich mit Lehm auch massiv bauen?“

Seid dem die DIN Normen zu Lehmsteinen und Lehmmauermörtel in Kraft sind, ist es ohne weiteres möglich auch in Lehm tragendes Mauerwerk, also Lehmmassivbau, herzustellen. Vorher war dazu eine aufwendiges Einzelabnahmeverfahren nötig. Aus dieser Zeit stammt der folgende Vorschlag: statisch tragender Holzrahmenbau plus Lehmsteinausfachung. Ich halte diese Variante heute noch für wirtschaftlicher als einen reinen Lehmsteinbau, aber das sollte jeweils genau betrachtet und nicht pauschal bewertet werden. Die Bilder sprechen für sich, denke ich. Zur Wärmedämmung wurde hier im Stil des zweischaligen Mauerwerks als Perlite-Kerndämmung verwendet.

  
  

(Entwurf: M.L. Paproth, Bautechnik: O.Paproth)

 

Normen und Regeln

„Ist das Bauen mit Lehm ebenso wie andere Bauweisen genormt?“

Ja, es ist. Ich bin zwar kein Freund von Normen, aber sie haben auch ihre Vorteile im Sinne der Planungs- und Ausführungssicherheit. Das gilt auch für den Lehmbau. Der Dachverband Lehm e.V. hat hier seit vielen Jahren gute Arbeit geleistet. Er hat die „Technischen Merkblätter“ herausgegeben. Während die Blätter TM02-04 mit Erscheinen der Normen DIN 18945 : Lehmsteine, DIN 18946 Lehmmauermörtel und DIN 18947 Lehmputzmörtel ersatzlos gestrichen werden konnten, gelten die „Technischen Merkblätter“ TM01 Lehmputze (in aktualisierter Form), Technisches Merkblatt TM05 : Qualitätsüberwachung von Baulehm als Ausgangsstoff für industriell hergestellte Lehmbaustoffe und TM06 Lehmdünnlagenbeschichtungen des Dachverbandes Lehm e.V. nach wie vor.

1999 erschienen die „Lehmbau Regeln“ zum ersten Mal in der altuellen Form. Inzwischen gilt die 3. Auflage von 2009. Mit den DIN-Normen, den Technischen Merkblättern und den Lehmbau Regeln ist der Stand der Technik hinreichend beschrieben.

       

 

Durchschlagender Kamin

„Es soll verrustes und versottetes Mauerwerk überputzt werden. Wie geht das?“

Rußflecken, Versottungen, Wasserflecken, Nikotin kann nicht einfach überputzt werden, denn alle diese Verunreinigungen schlagen immer wieder durch die verschiedenen Putze und Farben durch. Das einzige, was hier hilft ist das Absperren mit einem geeigneten Anstrich. Da Lehmputze relativ länger feucht bleiben bis sie durchgetrocknet sind, sollte auf eine gute Absperrfarbe geachtet werden. In jedem Fall muss eine Testfläche angelegt werden. Dabei sollte daraufgeachtet werden, dass der abzusperrende Untergrund nicht zu uneben ist, damit das Aufbringen des Anstrichs nicht zu schwierig wird.

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In dem Beispiel habe ich erst mit einem Lehmputz vorgeputzt. Nach dessen Durchtrocknung habe ich eine Schelllackgrundierung (Kreidezeit) gestrichen.

Analog kann bei Wasser- und Nikotinflecken vorgegangen werden.

Werden besondere Anforderungen an die „Atmungsaktivität“ der Wand gelegt, muss dies mit den Daten des verwendeten Absperranstrichs und der weiteren Baustoffe überprüft werden.

Wie mische ich Lehmputz an?

Lehmputze sind heute Fertigmörtel, so wie andere Mörtel auch. Es braucht also nicht Lehmpulver mit Sanden und anderen Zuschlägen gemsicht werden. Sollte dies jedoch aus besonderen Gründen nötig sein, werden zuerst Lehm, Sand un Zuschläge erdfeucht oder einfacher trocken vermischt. Anschließend wird der Mörtel mit Wasser auf die richtige Konsistenz eingestellt.

bgb-guardamar-2016-61-600Wenn Lehmputz nicht in Putzmaschinen, sondern mit der Hand verarbeitet werden soll, wird normalerweise zuerst die richtige Menge Wasser in einen Kübel gegeben und dann der Mörtel. Bei Lehmmörteln ist die Reihenfolge aber eigentlich egal. Vermischt wird das Ganze von Hand mittels Spaten und Maurerkelle. Das ist als gutes Krafttraining zu empfehlen. Angenehmer ist Maschinenhilfe. Es eignen sich Freifallmischer, Mörtelquirle (Foto) oder auch starke Bohrmaschinen mit Quirlaufsatz für kleinere Mengen. Wie kräftig das Gerät sein muss hängt auch von der Art des Putzes ab, also ob es grobere Unterputze oder feine Finishputze sind.

Das Verhältnis Wasser zu Mörtel kann trotz möglichst exakter Angabe der Hersteller variieren. Bei Lehmmörteln gibt es keine Einschränkungen solange Wasser oder Lehmmörtel zusammenzu mischen bis es entweder passt oder der Kübel zu klein ist. Der angerührte Mörtel kann dann auch einige Zeit, bis hin zu Tagen, stehenbleiben solange keine Zusätze wie z.B. Zellulose enthalten sind.

Für Lehmmauermörtel gilt das analog.

 

Lehmputz auf Mischmauerwerk

„Lehmputz auf Mischmauerwerk. Was muss ich beachten?“

Besteht das Mauerwerk, das mit Lehmputz verputzt werden soll, aus unterschiedlichen Mauersteinen, kann wie üblich ein- oder zweilagig mit Lehmputz verputzt werden. Dabei bleibt zu beachten, dass die unterschiedlichen Mauersteine genügend griffig sind. Ansonsten muss auf diesen Teilflächen die Putzhaftung verbessert werden durch eine körnige Grundierung, eine Zahnspachtelung mit Lehmklebe- und armierungsmörtel oder einem Vorspritz. Bei Materialwechseln wird ein Armierungsgewebe (Flachsgewebe) eingearbeitet. Sollte das Mauerwerk insgesamt zu unterschiedlich sein, wird das Armierungsgewebe vollflächig eingebaut.