Was tun bei einem Wasserschaden?

„Es gab einen Sturm, der das Dach des Einfamilienhauses teilweise abgedeckt hat. An einigen Stellen konnte der Regen durch Überlappungen der Unterspannfolie bis zu den inneren Sichtflächen der Dachflächen geraten. Dort hat er Wasserflecken hinterlassen. Die Dachschrägen sind mit einer Lehmoberfläche ohne Anstrich versehen. Was ist zu tun?“

Wasserschaden eines anderen Falls an Decke (brauner Lehmfeinputz, weiß gestrichen) und Wand (Lehm-Sichtputz)

Der Gutachter der Versicherung hat bestimmt, dass mit einer Absperrfarbe über die Lehm-Sichtfläche gestrichen wird. Das sei ausreichend und angemessen. Der Bauherr und die Architektin sehen das anders.

Die Wasserflecken sind zwar an wenigen und begrenzten Stellen der einzelnen Dachflächen, aber sie sind doch größer als einzelne kleine Flecken. Die einfache Variante ist, die Wasserflecken mit einer Schelllack-Absperrgrundierung o.glw. zu streichen und dann jeweils die kompletten Dachschrägen dünn neu mit den ursprünglichen, farbigen Lehmfeinputz zu überziehen. Allerdings soll der Versicherung und dem, inzwischen ausgetauschten, Sachverständigen mit einer gutachterlichen Stellungnahme die Frage beantwortet werden, ob eine Reparatur – eher eine Retusche – nicht doch möglich ist.

Grundsätzlichen lassen sich Lehmputze, die angestrichen werden, recht gut nacharbeiten. Kleinere Flecken sind meist kein Problem. Bei größeren Übergängen zwischen der vorhandenen und der neu geputzten Fläche ist es aber nicht immer möglich ansatzfrei zu arbeiten. Je rustikaler die Oberfläche ausgebildet ist, desto einfacher ist das.

Bei farbigen, nicht gestrichenen Lehmfeinputzen, die als fertige Oberfläche dienen, ist es nicht gesagt, dass ein Reparieren ohne Ansätze möglich ist. Das ist von Produkt zu Produkt zu prüfen. Weiße Lehme in Mischfarben lösen sich schneller als dunkle. Daher können sie beim nachträglichen berarbeiten mit dem feuchten Schwamm an die Oberfläche gerieben werden und  „Wolken“ bilden. Bei dem rein weißen Lehmfeinputz in meiner Wohnung habe ich den sprichwörtlichen Rotweinfleck an der wackeligen Stiege in das Dachzimmer wegreiben können (ja, tatsächlich…). Die Oberfläche ist hier im Landhausstil etwas lebendiger, aber nicht grob.

In dem Fall dieser Frage ist es aber der Lehm-Designputz „Yosima jade-grün“ von Claytec. Bevor ich das Angebot zur Schadensbehebung gemacht habe, habe ich mit dem Originalmaterial Versuche angestellt. Sie sind erwartungsgemäß unbefriedigend.

Fazit: Wasserflecken schlagen immer durch. Es muss mit einer Absperrgrundierung vorgearbeitet werden. Dann kommt es darauf an, ob es sich um einen „braunen Lehmputz“, der einen Anstrich erwartet, handelt oder um eine reine Lehmoberfläche. Hier sind unbedingt vor der Angebotsabgabe Versuche zu machen oder es wird von vorne herein die komplette Fläche überarbeitet. Nicht selten wird das günstiger sein.

Der Bericht ist hier: