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Befestigungen – Nachtrag

Hier ein Nachtrag zu Beitrag „Befestigungen im Lehmbau“ aus der eigenen Erfahrung:

Die Bestandswand des Jahrhunderwendehauses wurde mit einer Holzfaserplatte und darüber mit einer Lehmbauplatte (Schilfrohr und Lehm, Hersteller Fa. Claytec) versehen. Darauf kam eine Lehmarmierungslage mit Flachsgewebe, darüber ein Legmfeinputz und zuletzt ein Silikatanstrich. Es sollten die alten, aufgeabeiten Fußleisten wieder angebracht werden, obwohl die Leisten stark verbogen waren und mit der Befsetigung gerade gezogen werden mussten.

Wir haben Metall-Gipskartondübelverwendet. Sie geben wirklich guten Halt. Das Aber zeigen die Bilder. Hier ist das nicht schlimm, denn die ausgefranzten Dübellöcher werden von der Fußleiste verdeckt. Bleiben sie aber sichtbar, sollten sie vor dem Anstrich eingesetzt werden, damit einfach mit Lehmputz nachgearbeitet werden kann, ohne dass man es nach dem Anstrich sieht.

  
  
  

 

 

 

Befestigungen im Lehmbau

Immer wieder kommt die Frage „Wie mache ich dies oder jenes an einer Lehmwand fest?“

Um diese recht pauschale Frage angemessen zu beantworten möchte ich es mir einmal einfach machen. Die Firma Würth hat ein Befestigungsprogramm zusammengestellt. Erstaunlicherweise findet es man nicht auf der Würth-Webseite, sondern nur die der Firma Claytec- Baustoffe aus Lehm, die hier Projektpartner war.

Da die Lehmbau-FAQs den Anspruch haben neutral zu sein, empfehle ich analoge Befestigungsmittel bei anderen Herstellern zu vergleichen. Aber das versteht sich ja von selbst.

 

Armierungsgewebe bei Innendämmung und anderen Anlässen

„Welches Gewebe ist für die Armierungsschicht der Innendämmung richtig und womit baue ich es ein?“

Für die Armierungsschicht bei Innendämmung, Lehmtrockenbau un Feinputzen taugt ein Gewebe mit 5 – 6 mm Maschenweite. Das kann Glasfasergewebe, Jute oder Flachs sein. Ich bevorzuge Flachsarmierungsgewebe, denn Glasfaser ist zwar einfacher einzubauen, aber schlechter rückzubauen und die gute alte Jute ist einfach zu labberig und dehnt sich, wenn sie feucht wird. Da ist das imprägnierte Flachsgewebe ein guter Kompromiss. Für die Imprägnierung des Flachsgewebes die Volldeklaration der Hersteller beachten. Sie ist nötig, damit sich das Flachs nicht wie die klassische Jute verhält.

  

Zuerst wird der Armierungsmörtel aufgebracht, um dann das Gewebe aufzulegen und mit dem Glätter, der Japankelle oder dem Schwammbrett einzuarbeiten. Bei den Kellen sollte darauf geachtet werden, dass sie abgerundete Ecken haben, denn sonst haken sie leicht in den Maschen der Gewebe.

Nach dem kompletten Durchtrocknen folgt der Finishputz.

 

Schneiden von Lehmbauplatten mit Schilfrohr

„Wie bzw. womit kann ich Lehmbauplatten mit Schilfrohrkern (z.B. von Claytec) einfach schneiden oder sägen?“

Das funktioniert mit einigem: mit einer Kreis- oder Stichsäge mit vielen Zähnen (der Bindedraht der eingearbeiteten Schlifrohrmatten soll sich nicht verfangen). Eine Stichsäge funktioniert auch mit Metallsägeblatt. Mit einer Flex klappt es auch gut, staubt aber anständig. Ein oszilierder Multicutter ist geeignet. Mir gefällt am besten die Japansäge. Hier nehme die Seite für Schnitte quer zum Holzfaserverlauf. Das geht super schnell und einfach, auch durch den Draht. Wegen dem Draht habe ich eine Japansäge aus dem Baumarkt und benutze nicht die gute.

 

 

 

Zum Anfeuchten von Untergründen und Lehmputzflächen

„Womit kann ich am einfachsten Lehmputz und Untergründe anfeuchten?“

Häufig muss beim Verputzen mit Lehm der Untergrund angefeuchtet werden oder es erleichtert die Arbeit, wenn der Putz während der Verarbeitung an der Wand feucht gehalten wird. Das kann man mit dem Quast machen. Es ist allerdings eine ziemliche Sauerei und bringt Streifen auf den Putz, was nicht immer erwünscht ist. Ideal ist eine Gartenspritze. Mit ihr kann das Maß des Anfeuchtens gut reguliert werden.

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Wie mische ich Lehmputz an?

Lehmputze sind heute Fertigmörtel, so wie andere Mörtel auch. Es braucht also nicht Lehmpulver mit Sanden und anderen Zuschlägen gemsicht werden. Sollte dies jedoch aus besonderen Gründen nötig sein, werden zuerst Lehm, Sand un Zuschläge erdfeucht oder einfacher trocken vermischt. Anschließend wird der Mörtel mit Wasser auf die richtige Konsistenz eingestellt.

bgb-guardamar-2016-61-600Wenn Lehmputz nicht in Putzmaschinen, sondern mit der Hand verarbeitet werden soll, wird normalerweise zuerst die richtige Menge Wasser in einen Kübel gegeben und dann der Mörtel. Bei Lehmmörteln ist die Reihenfolge aber eigentlich egal. Vermischt wird das Ganze von Hand mittels Spaten und Maurerkelle. Das ist als gutes Krafttraining zu empfehlen. Angenehmer ist Maschinenhilfe. Es eignen sich Freifallmischer, Mörtelquirle (Foto) oder auch starke Bohrmaschinen mit Quirlaufsatz für kleinere Mengen. Wie kräftig das Gerät sein muss hängt auch von der Art des Putzes ab, also ob es grobere Unterputze oder feine Finishputze sind.

Das Verhältnis Wasser zu Mörtel kann trotz möglichst exakter Angabe der Hersteller variieren. Bei Lehmmörteln gibt es keine Einschränkungen solange Wasser oder Lehmmörtel zusammenzu mischen bis es entweder passt oder der Kübel zu klein ist. Der angerührte Mörtel kann dann auch einige Zeit, bis hin zu Tagen, stehenbleiben solange keine Zusätze wie z.B. Zellulose enthalten sind.

Für Lehmmauermörtel gilt das analog.

 

Mit welchem Werkzeug wird Lehmputz verarbeitet?

Das übliche Werkzeug des Stukkateurs ist auch für Lehmputze geeignet: H- oder Trapezkartätsche, Maurer- oder Gipserkelle, Schweizer Traufel, Glätter, Reibbrett, Filzbrett und Schwammbrett. Lehmputzoberflachen können mit der Kelle geglättet, mit dem Holz- oder Kunststoffbrett gerieben, geschwammt oder gefilzt werden. Metallwerkzeuge sollen nicht rostend aus Edelstahl beschaffen sein.

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Ideal geeignetes Putzwerkzeug sind die Japankellen. Diese Werkzeuge sind durch die jahrhundertelange Erfahrung in Japan hoch entwickelt und optimiert.

 

Hervorragendes Werkzeug für handwerkliche Arbeit

Claytec-Japankellen-1Claytec-Japankellen-2Auch in Japan hat der Lehmbau eine jahrhundertealte Tradition. Insbesondere hat die Bearbeitung von Lehmoberflächen höchsten Stellenwert. Bis hin zu Lehm-Glanzputzen ist dort alles möglich. Die kulturelle Bedeutung dieser Handwerkskunst zeigt die Qualität und Vielfalt der Werkzeuge, mit denen japanische Putzer den Lehm auftragen, glätten und bearbeiten. Die zweckmäßigen, eleganten Werkzeuge werden zum Teil noch heute individuell an die Körpermaße und persönlichen Anforderungen des Handwerkers angepasst. Die Firma Claytec – Baustoffe aus Lehm importiert eine bewährte Auswahl dieser feinen Werkzeuge. Mich fasziniert nicht nur die Schönheit der perfekten Verarbeitung, sondern auch die Zweckmäßigkeit der perfekt ausbalancierten Kraftverläufe zwischen Hand, Werkzeug und Material.

=> Claytec Japankellen

 

Einfach und praktisch zum Spritzen von Lehmputz

Vor gut zwei Jahren stieß mich ein Kunde während einer technischen Beratung zur Fachwerkausfachung auf ein kostengünstiges, einfaches und praktisches „Low-Tech-Gerät“ zum spritzen von Lehmputz. Er hatte es in den USA gesehen, wo es für viele Arten von Mörtel eingesetzt wird.

Meurer 160521 (4) 800   Meurer Putzhilfe 16052 (11) 800
Meurer Putzhilfe 16052 (13) 800   Meurer Putzhilfe 16052 (9) 800

Anstatt teure, aufwendige Putzmaschinen ist nur ein Kompressor und eben dieses „Dings“ nötig. Der Lehmmörtel wir z.B. mit einem Freifallmischer angemischt und aus dem Kübel oder besser der Schubkarre (man muss sich nicht so bücken) aufgenommen. Aus dem Trichter wird der Mörtel mittels Druckluft an die Wand gesprüht. Insgesamt ist das „Dings“ sicher nicht so perfekt wie die üblichen Putzmaschinen, doch kosten die auch fünfstellige Summen. Anders das Druckluftsprühsystem für nur wenige Hundert Euro. Es ist so einfach aufgebaut, dass es sich gut für den Verleih eignet und auch für den Selbstbau taugt.

Meurer NATÜRLICHES BAUEN GmbH nennt das „Ding“ Signorina Tigre. Hier ein paar Impressionen http://www.lehmbau.com/Video/Signorina_Tigre.mov