Archiv der Kategorie: Holzbau

Modernisieren einer Altbaudecke

„Die Decken meines Altbaus sind Holzbalkendecken. Bis auf die Balken muss der vorhandene Aufbau entfernt werden. Es soll in der Art des Originals neu aufgebaut werden, der Schallschutz  und gleichzeitig die Statik verbessert werden. Dazu hätte ich gerne einen Vorschlag.“

Konkrete Lösungen müssen am Objekt bestimmt werden. Das gilt natürlich ganz besonders, was die statischen Fragen angeht. Dennoch möchte ich hier zwei Vorschläge machen, die ich mehr oder weniger regelmäßig variiere, bei der Altbaumodernisierung als auch beim Neubau.

  

Verbindliche Garantien kann ich hier natürlich nicht geben, falls die Zeichnungen ausgedruckt und irgendwie genutzt werden.

 

Lehmputz auf Holzflächen

„Kann ich Lehmputz auf Holz oder Holzwerktoffe aufbringen?“

Ja,das geht, aber: Wenn im Fachwerkbau über die Holzbalken geputzt werden soll, was innenseitig ja eher die Regel ist, wird über die Holzbalken ein Putzträger, z.B. Schilfrohrmatten oder ähnliches, angetackert. Hierein kann sich der Lehmputz vekrallen.

Das Prinzip gilt auch bei allen mehr oder weniger glatten Holzflächen wie Verbretterungen, OSB-Platten oder ähnlichem, außer Holzfaserplatten. Da ich Streckmetall nicht so sehr mag, benutze ich lieber Schilfrohrmatten oder -platten. Das ist aber mühsamer.

Bei OSB-Platten scheiden sich die Geister, ob darauf ein nasser Putz folgen soll oder nicht. Bei manchen OSB-Platten kann es durchschlgenden Flecken von Holzinhaltsstoffen kommen. Ich kenne Lehmbauer, die hier keine Schwierigkeiten haben und solche, die es konsequent ablehnen. Wer sich unsicher ist, kann überlegen eine Diagonalschalung anstatt der OSB-Platten einzubauen. Ansonsten gibt es ja noch Lehmbauplatten.Das Bild oben zeigt beide Varianten.

Auf dem Bild links Steko-Holzmodulbauwände und darauf eine 16 mm Lehmtrockenputzplatte geschraubt. (Die Putzflecken sind gerade angefertigte Farbmuster des Japanputzes.)

Auf Holzfaserplatten, wie z.B. Innendämmplatten oder Trockenbauplatten, wird mit Lehmfeinputzen gearbeitet. Mehr dazu hier.

 

Ist der Fachwerkbau noch aktuell?

Eine gute Frage. Nein, eigentlich nicht. Andererseits aber doch. Schaun wir mal: Ein moderner Holzständerbau mit einer Ausfachung mit Lehmsteinen und Lehmputz. Von Außen ist das „Fachwerk“, das Ständerwerk, nicht sichtbar, denn es hat nicht den optischen Reiz wie ein traditionelles Fachwerk. Das bietet die Möglichkeit der zeitgemäßen Wärmedämmung ausseitig mit einer Fassade nach Wahl. So erreichen wir die Qualitäten eines „Massivhauses“ mit den Vorteilen des Holzbaus. Das sind u.a. relativ trockenes Bauen (z.B. im Vergleich zum Kalksandstein in Regenland), bester Schall- und sommerlicher Wärmeschutz.

Anbringen der Dreiecksleisten

Ausmauern mit Lehmsteinen (hier „Grünlinge“, Anwendungsklasse 2)

Lehmputz auf Schilfrohrgewebe (hier wurden Schilfrohrplatten verwendet)

Fertig

 

Drei Innenwände

„Wie kann ich neue Innenwände im Obergschoss eines Modernisierungsprojektes mit Lehmbaustoffen herstellen?“

Nun da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. In einem aktuellen Projekt habe ich diese beiden vorgeschlagen. Die eine Variante hat einen besseren Schallschutz und ist dem Fachwerkbau angelehnt, die andere ist leicht und kann ohne weiteres auf die vorhandenen Altbaudecke gestellt werden. Hier der Beitrag:

Drei Innenwände

 

Massivlehm im Holzbau II

„Kann ich mit Lehm auch massiv bauen?“

Seid dem die DIN Normen zu Lehmsteinen und Lehmmauermörtel in Kraft sind, ist es ohne weiteres möglich auch in Lehm tragendes Mauerwerk, also Lehmmassivbau, herzustellen. Vorher war dazu eine aufwendiges Einzelabnahmeverfahren nötig. Aus dieser Zeit stammt der folgende Vorschlag: statisch tragender Holzrahmenbau plus Lehmsteinausfachung. Ich halte diese Variante heute noch für wirtschaftlicher als einen reinen Lehmsteinbau, aber das sollte jeweils genau betrachtet und nicht pauschal bewertet werden. Die Bilder sprechen für sich, denke ich. Zur Wärmedämmung wurde hier im Stil des zweischaligen Mauerwerks als Perlite-Kerndämmung verwendet.

  
  

(Entwurf: M.L. Paproth, Bautechnik: O.Paproth)

 

Massivlehm im Holzbau

„Moderner Holzrahmenbau lässt aus unterschiedlichen Gründen (Wärmespeicherung, sommerlicher Wärmeschutz, Schallschutz, etc.) gegebenenfalls Masse vermissen. Wie können hier Lehmbaustoffe helfen?“

Lehmputze bzw. Lehmbauplatten helfen schon einiges aufgrund ihres hohen Raumgewichtes. Doch ein „Massivbau“ wird das Haus damit noch nicht. Zum einen taugen hier Beschwerungen aus Lehmbaustoffen in den Holzdecken, die gleichzeitig auch dem Schallschutz dienen. Zum andern ist die Lehmstapeltechnik hier bestens geeignet.

CAD Lehmstapeltechnik

Dabei werden in der innenseitigen Installationsschale der Außenwände Lehmsteine der Anwendungsklassen I oder II in drei bis vier Lagen lose gestapelt und dann mittels eines maßlich passenden Holzes festgeklemmt. Die Hölzer dienen auch zur Befestigung vom Schilfrohrputzträger, großen Bildern, Regalen oder Küchenschränken. Die Lehmstapelwand wird mit Lehmputz zweilagig verputzt.

 

Wandheizung

„Eignet sich Lehmputz für Wandheizungen?“

WEC Wandheizung 1 800   WEC Wandheizung 2 800

Lehmputze sind für Wandheizungen perfekt. Neben den bekannten guten Eigenschaften für das Innenraumklima speichert und verteilt Lehm die Wärme des Heizsystems sehr gut. Hinzukommt, dass Lehmputze eher weich sind und damit die Spannungen im Putz durch wechselnde Temperaturen gut vertragen. Besonders geeignet sind Lehmunterputze mit Strohfasern, die wiederum für eine gute Spannungsaufnahme sorgen und gleichzeitig eine Armierung darstellen. Für den Trockenbau gibt es Lehmbauplatten mit integrierten Wandheizungssystem. Wandheizungen haben sich auch im Holzbau sehr bewährt.

Die Fotos zeigen Wandheizrohre auf einer Lehmstapelwand und auf Schilfrohrputzträger.

 

Lehmtrockenbauplatten

„Gibt es Alternativen für Gipskartonplatten in Lehm?“

BAL 3 b 800Ja, Lehmbauplatten gibt es in unterschiedlichen Ausführungen verschiedener Hersteller. Zu unterscheiden sind schmalere Platten als stranggepresste Platten, formgefertigte Platten mit oder ohne Schilfrohrkern bzw. Pflanzenfaserbeimengungen. Sie unterscheiden sich unteranderem in Größe und Gewicht, in den Achsabständen der Unterkonstruktionen oder den Schallschutzwerten, die sehr beachtlich werden können. Es gibt auch Lehmbauplatten mit integrierten Wandheizungssystemen.

Mit einem dünnen Lehmfeinputz werkseitig beschichtete Gipskartonplatten sind keine Lehmbauplatten.

Das Bild zeigt Wände in Steko-Holzsystembauweise mit der Claytec Lehmtrockenputzplatte und (noch feuchten) Farbmustern von Japanputz bevor die Platten mit einem Lehmfeinputz incl. Flachsarmierungsgewebe verputzt werden.