Archiv der Kategorie: Fachwerkbau

Wärmedämmung von Fachwerkwänden

„Wie kann ich Fachwerk-Außenwände wärmedämmen, wenn das Fachwerk von außen sichbar bleiben soll?“

Das ist eine häufige Frage im Denkmalschutz, nicht nur bei Fachwerkhäusern. Fachwerkhäuser sind meist denkmal geschützt oder gleichwertig anzusehen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten nicht die Anforderungen der EnEV so, wie sonst bei Modernisierungen. Hier sind geringere Dämmwerte zulässig. Das gilt auch für die Förderungen der kfw-Bank. Da sich die Bestimmungen aber mehr oder weniger häufig ändern, möchte ich hier auf die entsprechenden Regelwerke verweisen.

Bewährt hat sich der folgende Aufbau, der auch in den Zeichnungen dargestellt ist:

Das Fachwerk wird instandgesetzt und die Gefache ggf. mit Leichtlehmsteinen erneuert. Dann folgt eine Innendämmung aus Leichtlehmsteinen oder aus Holzfaserplatten. Eine Innenschale aus feucht eingebrachtem Leichtlehm ist zwar sehr sympatisch, benötigt aber recht lange Trocknungszeiten, d.h. unter Umständen auch mehrere Monate. Das halte ich icht mehr für zeitgemäß. Sollte man die Zeit allerdings haben und den Aufwand nicht scheuen, ist auch dies eine klasse Variante.

  

 

Sicherheit bei Innendämmung

„Auch, wenn gerade der Sommer vor der Tür steht: Ich habe gehört, dass das das übliche Berechnungsverfahren nach „Glaser“ die Gegebenheiten bei einer Innendämmung nicht darstellen kann. Nun habe ich aber ein Fachwerkhaus und kann es nur von innen dämmen. Woher weiß ich, dass ich keinen Fehler in puncto Tauwasser mache?“

Das ist schon richtig, was das übliche und normgerechte „Glaser-Verfahren“ angeht. Hierbei werden jedoch Materialeigenschaften wie die Wasserdampfaufnahme- und -abgabefähigkeit und die kapillare Leitfähigkeit nicht berücksichtigt. Bei dem Thema Außendämmung ist das auch in der Regel nicht nötig, bei der Innendämmung ist aber genau entscheidend, dass ein Baustoff, ebenso wie Luft, eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen kann, bevor Tauwasser ausfällt und das Bauteil durchfeuchtet. Rechenverfahren wie z.B. „Wufi“ vom Fraunhoferinstitut oder „Cond“ von der TU-Dresden können auch Innendämmungen realitätsgemäß abbilden.

Leider wissen noch immer die meisten Energieberater nichts von diesen Zusammenhängen. Gleiches gilt für die Kollegen Architekten etc. etc.. Daher erlaube ich mir hier ausnahmsweise darauf hinzuweisen, dass ich „Cond“-Berechnungen durchführen kann und dies auch gerne tue, allerdings nicht ganz „für lau“. Entscheident aber ist: Nicht abwimmeln lassen! Innendämmung im Fachwerkhaus und anderen Häusern ist lange Stand der Technik.

Wie Innendämmung funktioniert, ist hier beim Thema Innendämmung zu lesen.

 

Fachwerk neu ausfachen

„Die Gefache eines denkmalgeschützten Fachwerhauses sollen erneuert werden. Derzeit ist die originale Stakung-Geflecht-Lehm-Ausfachung vorhanden. Es gibt Gründe sie zu entfernen. Kann ich die Gefache einfacher als mit Stakung etc., aber dennoch ebenso gut und denkmalgerecht neu füllen? Wenn ja, wie?“

Eine bewährte und in der Regel vom Denkmalschutz anerkannte Möglichkeit ist die Gefache mit Leichtlehmsteinen auszumauern. Die Gefache sind leer und sauber abgefegt. Dann werden Dreiecksleisten links und rechts an den senkrechten Balken befestigt. Lärchenholz eignet sich hier gut. Die Höhe in der Fuge sollte 12 mm betragen. Die Leichtlehmsteine werden mit Leichtlehmmauermörtel vermauert. An den Seiten der Dreicksleiste brauchen sie nicht ausgeklinkt werden. Es reicht hier ein sorgfälltig hergestellter Verbund zwischen Leiste, Mörtel und Stein. Es sind Lehmsteine der Rohdichte 1200 bis 700 üblich. In jeden Fall müssen sie der Anwendungsklasse 1a angehören. Bei 700ern kann das nicht der Fall sein. Dennoch wurden sie vor der gültigkeit DIN für Lehmsteine verwendet an wettergeschützen Wänden. An Wetterseiten sollte man sich auf die 1200er Steine beschränken. Ich halte sie in jedem Fall für den besten Stein, da kann man aber auch andere Ansicht sein.

Von Innen folgt dann ein Lehmputz und Innendämmung und von außen ein reiner Kalkputz, auf keinen Fall ein Kalkzementputz oder desgleichen. Mehr zum Außenputz hier.

 

Lehmputz auf Holzflächen

„Kann ich Lehmputz auf Holz oder Holzwerktoffe aufbringen?“

Ja,das geht, aber: Wenn im Fachwerkbau über die Holzbalken geputzt werden soll, was innenseitig ja eher die Regel ist, wird über die Holzbalken ein Putzträger, z.B. Schilfrohrmatten oder ähnliches, angetackert. Hierein kann sich der Lehmputz vekrallen.

Das Prinzip gilt auch bei allen mehr oder weniger glatten Holzflächen wie Verbretterungen, OSB-Platten oder ähnlichem, außer Holzfaserplatten. Da ich Streckmetall nicht so sehr mag, benutze ich lieber Schilfrohrmatten oder -platten. Das ist aber mühsamer.

Bei OSB-Platten scheiden sich die Geister, ob darauf ein nasser Putz folgen soll oder nicht. Bei manchen OSB-Platten kann es durchschlgenden Flecken von Holzinhaltsstoffen kommen. Ich kenne Lehmbauer, die hier keine Schwierigkeiten haben und solche, die es konsequent ablehnen. Wer sich unsicher ist, kann überlegen eine Diagonalschalung anstatt der OSB-Platten einzubauen. Ansonsten gibt es ja noch Lehmbauplatten.Das Bild oben zeigt beide Varianten.

Auf dem Bild links Steko-Holzmodulbauwände und darauf eine 16 mm Lehmtrockenputzplatte geschraubt. (Die Putzflecken sind gerade angefertigte Farbmuster des Japanputzes.)

Auf Holzfaserplatten, wie z.B. Innendämmplatten oder Trockenbauplatten, wird mit Lehmfeinputzen gearbeitet. Mehr dazu hier.

 

Ist der Fachwerkbau noch aktuell?

Eine gute Frage. Nein, eigentlich nicht. Andererseits aber doch. Schaun wir mal: Ein moderner Holzständerbau mit einer Ausfachung mit Lehmsteinen und Lehmputz. Von Außen ist das „Fachwerk“, das Ständerwerk, nicht sichtbar, denn es hat nicht den optischen Reiz wie ein traditionelles Fachwerk. Das bietet die Möglichkeit der zeitgemäßen Wärmedämmung ausseitig mit einer Fassade nach Wahl. So erreichen wir die Qualitäten eines „Massivhauses“ mit den Vorteilen des Holzbaus. Das sind u.a. relativ trockenes Bauen (z.B. im Vergleich zum Kalksandstein in Regenland), bester Schall- und sommerlicher Wärmeschutz.

Anbringen der Dreiecksleisten

Ausmauern mit Lehmsteinen (hier „Grünlinge“, Anwendungsklasse 2)

Lehmputz auf Schilfrohrgewebe (hier wurden Schilfrohrplatten verwendet)

Fertig

 

Kalkputz an Fachwerkfassade abgefallen

„Warum ist der Kalkputz von den Lehmgefachen des Werkhauses abgefallen?“

In diesem Fall gibt es zwei Gründe: Zum einen ist es kein reiner Kalkputz, sondern ein Kalk-Zement-Putz. Der ist zu hart für den weichen  Lehmstein und die Bewegungen des Fachwerks. (Deswegen ist ja auch ein weicher Stein hier richtig.) Zum andern waren die Mörtelfugen des Lehmsteinmauerwerks in den Gefachen nicht ausgekratzt. so konnte sich der Putz nicht mit der Ausmauerung verkrallen. Das ist jedoch nötig, weil es keine chemische Bindung zwischenLehm und Kalk gibt.

     

Die Lösung war hier, den Putz, der als lose Platten entweder bereits heruntergefallen oder lose im Begriff herunterzufallen war zu entfernen. Dann wurden die Fugen ausgekratzt, einfach und schnell mit Hilfe eines Multitools mit Diamantscheibe. Eine Flex wäre hier viel zu „krass“ gewesen. Dann wurden die Lehmmauerwerksgefache abgefegt, angefeuchtet und mit einem reinen Kalkmörtel ohne Zementanteil oder sonstigen Zusätzen neu verputzt – denkmalgerecht und dauerhaft.

  

Die Ausfachung besteht aus einem 1200er Leichtlehmstein mit Leichtlehmmauermörtel.

 

Fugen im Fachwerkbau

„Wie soll mit Fugen im Fachwerkbau umgegangen werden?“

Fugen im Fachwerk zwischen dem Holzwerk und der Ausfachung dürfen nicht mit Silikonen, Kunststoffen, bituminösen Massen oder ähnlichem ausgefüllt werden, weil so das austrocknen des Holzes und der Gefache kritisch reduziert wird. Womit können zu breite Fugen dennoch ausgefüllt werden?

langenfeld-trompeterstrasse-160407-34-800   So (mit Ortschaum) bitte nicht!

Es gibt historische Verfahren z.B. auf Leinölbasis. Inzwischen bestens bewährt hat sich auch der Lehm-Fugenfüller von Claytec. Er ist ein Spezialprodukt für die Fachwerkrestaurierung, die Baudenkmalpflege und das nachhaltige Bauen. Als Trockenmischung enthält das Material trotz langjähriger Lagerfähigkeit keinerlei Konservierungsmittel. Er taugt bei vielen weiteren Fugen in der Altbaumoderinisierung und im Neubau. In Kombination mit architektonisch-konstruktiven Detaillösungen können so die meisten chemischen Fugenmassen durch ein ökologisches Material ersetzt werden.

claytec-fugenfueller-1   claytec-fugenfueller-4   claytec-fugenfueller-3

Mit Lehm-Fugenfüller natur-braun können lehm- und holzfarbige Anschlüsse und Risse bearbeitet werden, zum Beispiel in Fachwerk- oder Deckenbalken. Der Farbton natur-hell ist für weiße und helle Lehm- und Kalk-Innenputzflächen geeignet. Mit dem gut klebenden Material lassen sich auch tiefe Fugen verpressen. Es ist zum Füllen von Dübel- und ähnlichen Löchern geeignet, kann geschliffen sowie überspachtelt oder überstrichen werden. Verarbeitet wird Lehm-Fugenfüller mit Nachfüllkartuschen und der Kartuschenpresse.

ASE-151026-4-600   ASE-151003-17-b-600

Der Lehmfugenfüller eignet sich auch zum Ausbessern von ausgebrochenen Putzecken. Große und tiefe Löcher werden in mehreren Lagen aufgefüllt, da zu dicke Schichten langsam trocknen und einfallen.

 

Welcher Innenputz im Fachwerkbau?

„Welcher Innenputz ist am besten für ein Fachwerkhaus geeignet?“

Ebenso wie für die Ausfachung eignen sich für die Innenputze beim Fachwerkbau am besten Lehmbaumaterialien. Besonders faserarmierte Lehmputze (Lehmunterputz mit Stroh) harmonieren mit den Bewegungen des Fachwerks und halten Feuchtigkeit von Holzwerk fern. Lehmputz sorgt ausgezeichnet für den nötigen Feuchte Ausgleich. Auf keinen Fall dürfen harte Putze wie Kalkzement- oder Zementputze verwendet werden. Eine Alternative für Lehmputz im Innenraum wäre ein Luftkalk- oder Sumpfkalkputz. Jedoch sehe ich hier keine Vorteile gegenüber Lehmputz.

MLE Fachwerkwand 1 160815-19 800   MLE Fachwerkwand 2 160815-19 800

Wenn der Untergrund der Gefache gut griffig ist, kann direkt mit einem Lehmunterputz gearbeitet werden. Auf dem Holzwerk soll z.B. Schilfrohrgewebe als Putzträger genutzt werden. Wenn die Gefache nicht ausreichend tragfähig sind, kann Schilfrohrgewebe auch, wie bei der Lehmstapeltechnik, vollflächig angebracht werden. Dann erfolgen eine oder mehrere Lagen Lehmunterputz, darauf dann ein Lehmfeinputz plus Anstrich oder ein farbiger Lehmfinishputz.

 

Putzträger für Lehmputze

„Welche Putzträger eignen sich für Lehmputz?“

CAD Lehmstapeltechnik 2 800

Putzträger können aus unterschiedlichen Gründen notwendig werden. Das Bild zeigt einen Holzrahmenbau mit Lehmstapeltechnik von 1993. Bewährt haben sich 70 stengelige Schilfrohrmatten. Sie können horizontal als auch vertikal angebracht werden. Auch Streckmetalle funtkionieren, wenn sie rostfrei sind. Ich bevorzuge allerdings Schilfrohr aus ökologischen und aus baubiologischen Gründen.

Auch Schlifrohrplatten eignen sich gut, zum Beispiel auf Ständerwerk. Hier links im Bild.

 

Schallschutz im Holzbau

„Wie kann ich den Schallschutz einer Holzdecke verbessern?“

Zuerst müssen wir klären welche Art von Schall durch die Decke gedämmt werden soll. Trittschall wird nur durch eine federnde Trennung des Deckenbelags von der Holzkonstruktion erreicht. Das kann mittels schwimmenden (Trocken-) Estrichen geschehen. Luftschall, also Geräusche wie Musik, Reden etc., wird mit dem Gewicht der Decke gedämmt. Dazu müssen Holzdecken beschwert werden. Hier bieten sich Lehmbaustoffe an.

 

Wenn es sich um eine Holzbalkendecke handelt und die Deckenbalken nicht oder nur teilweise von unten sichtbar sein sollen, bieten sich Lehmtrockenschüttungen an. Ansich würde auch erdfeuchter Lehm funktionieren, aber dabei sind Trockenzeiten einzuplanen. Es stellt sich auch die Frage warum ein trockener Holzbau wieder ohne Not feuchte Baustoffe erhalten sollte.

Wenn es sich um eine Massivholzdecke (Brettstapel, Kreuzlagenholz oder dergleichen) handelt oder aus einem anderen Grund auf der Decke flächig gearbeitet werden kann, ist eine Lage Lehmsteine, knirsch verlegt, perfekt. Steine der Anwendungsklasse II sind an dieser Stelle ausreichend. Hierbei brauchen die Fugen nur mit Lehm ausgefegt zu werden, wenn die Steine nicht knirsch aneinanderliegen. Leitungsführungen können gut mit trockenem Lehm (Bruch der Steine, Schüttung, Putz, Baulehm) aufgefüllt werden.