Altbausanierung mit Lehmprodukten

Wer die Lehmbau FAQs kennt, kennt die Antwort auf eine immer wieder gestellte Frage: „Ich habe einen Altbau, den ich modernisieren möchte. Ich muss die Installationen neu machen, Schlitze und Durchbrüche schießen, teils neu verputzen, die Decken spachteln usw.. Gibt es da etwas aus Lehm? Der Fachhandel bietet mir immer nur das gleiche an.“

Gegenfrage an den Fachhandel: Warum sollte ich etwas anderes als ein Lehmbauprodukt verwenden? Nur, weil sonst immer und überall „Rotband“ oder Zement oder mit Kunststoff versetzte Spachtelmassen verschmiert werden? Wenn wir die Frage einmal umdrehen, wird es eng für die sogenannten „konventionellen“ Baustoffe. Allein die wirklich gute Verarbeitbarkeit von allen Lehmbaustoffen (-putze, – mörtel, -spachtel etc.) ist tatsächlich kaum zu schlagen.

 

Hier ein fieses Beispiel: Es war ein Profi am Werk – ja, tatsächlich. Resultat: Entweder mit der Flex die Überstände abfräsen oder den Putz der gesamten Wand 2,5 cm aufbauen. Geplant war eigentlich nur ein 5 mm Feinputz. Wäre dieser Kalkzementmörtel jedoch Lehmunterputz, würde er einfach wieder angefeuchtet und eben verrieben. Zu viel Material würde einfach entfernt und wiederverwendet. Ja, richtig, überschüssiges Lehmmaterial lässt man trocknen, um es später wieder neu anzumischen. Es wird nichts weggeworfen – eine saubere Baustelle vorausgesetzt.

Die hervorragende Eigenleistungstauglichkeit, also die Gutmütigkeit und Fehlertoleranz von Lehmbaustoffen, ist auch für die Profis ein großes Plus.

 

Die Haftung von Lehmmörteln ist uneingeschränkt gut. Zement, Kalkzement und Gipsmörtel bilden meist keinen wirklichen Verbund mit weichem Altbaumauerwerk und den „Sandfugen“. Hier sind Lehmmörtel klar im Vorteil. Das geht bis zum statisch tragenden Verfugen mit Lehmmauermörtel.

   

Auch die je nach Produkt teils sehr großen Dicken, die in einer Lage verarbeitet werden können, sind im Altbau von Vorteil. Tiefe Schlitze oder Durchbrüche können mit der richtigen Mischung einfach aufgefüllt werden. Ich benutze gerne eine Mischung aus Lehmunterputz und Blähton. Bei dem roten Rohr haben wir übrigens nicht den schönen Boden kaputt gemacht, sondern im alten Loch ein neues Abschlussrohr verlegt. Der Boden wurde mit der genannten Mischung geschlossen. Eine Abkastung (oder etwas Phantasievolleres) folgt.

Größere Löcher in einer Plisterlattendecke habe ich (Bild rechts) mit einer Mischung aus langem Stroh aus dem Stall der Bauherrin und Unterputz vorsichtig geschlossen. So konnte ich verhindern, die halbe Decke abzureißen und neu aufzubauen. Mit dem Lehm hatte ich die nötige Zeit, solange herumzubasteln bis es passte. Unterm Strich war das schneller und billiger als die Abrissvariante.

Sie sind halt nicht immer spektakulär, die guten Eigenschaften eines Baumaterials, sondern meist eher banal.

Ein weiteres Beispiel, das für sich spricht: Die Kochnische eines Apartements. Man achte auf die vorgefundene Heizungsinstallation, die alles weitere in Gang gesetzt hatte.

       

Während in Spritzwasserbereichen, wie zum Beispiel Duschen, Lehmputz nicht als Untergrund für Fliesen verwendet wird, hätte man hier an der Küchenwand durchaus auch auf Lehmputz fliesen können.

Die Decke wurde mit Lehmspachtel geglättet und anschließend geschliffen. Auch das klappt ohne weiteres gut. Gipsprodukte sind auch hier nicht nötig. Allerdings lässt sich der Lehmspachtel einfacher verarbeiten.

Auch für kleinere Reparaturen und das Schließen von Dübellöchern eignen sich die verschieden groben bis feinen Lehmmörtel.

Also das Fazit zur Frage: Für mich gibt es keinen Grund bei der Altbaumodernisierung und bei der Instandsetzung Lehmbauprodukte nicht zu verwenden. In jedem Fall richten sie wenigen Schaden als andere „herkömmliche“, denn sie sind reversibel und sogar wiederverwendbar.

Ach ja, mit höheren Kosten hat all das Gesagte nichts zu tun.

Die Lehmbau FAQs bieten noch weitere Antworten auf die „ewige Frage“.